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Scorerliste, Strafzeiten und Torhüterwertung

Hinter jeder Rangliste steht eine Rechenregel. Wer sie kennt, sieht sofort, welche Spieler ein System bevorzugt und welche es unsichtbar macht.

Technik

Ein Statistikbogen mit Strichliste und Kugelschreiber liegt am Zeitnehmertisch, im Hintergrund verschwommen das Spielfeld.
Jede Zahl der Saison beginnt als Strich auf einem Bogen.

Eishockey erzeugt eine große Menge einfacher Zahlen und eine kleine Menge komplizierter. Für den Alltag reichen fünf davon, und wer sie versteht, kann fast jede Rangliste lesen, egal aus welcher Liga sie kommt.

Scorerpunkte: Tore plus Vorlagen

Der Scorerpunkt ist die Grundwährung. Ein Tor zählt einen Punkt, eine Vorlage ebenfalls, und pro Treffer werden höchstens zwei Vorlagen vergeben, an die letzten beiden Spieler des eigenen Teams, die den Puck vor dem Torschützen gespielt haben. Die Scorerliste ist damit eine Rangliste nach Beteiligung, nicht nach Toren.

Das erklärt eine Beobachtung, die viele überrascht: an der Spitze einer Scorerliste stehen oft Center und offensive Verteidiger, nicht die besten Torschützen. Wer die Frage nach dem besten Abschluss beantworten will, braucht deshalb die separate Torschützenliste, die fast jede Liga mitführt.

Die fünf Zahlen, die im Alltag reichen
WertMisstSchwäche
ScorerpunkteTore plus VorlagenSagt nichts über die Defensive
Plus-MinusTordifferenz bei eigener EiszeitHängt stark von den Mitspielern ab
StrafminutenDisziplin und SpielweiseEine große Strafe verzerrt die Saison
FangquoteAnteil gehaltener SchüsseZählt jeden Schuss gleich
GegentorschnittGegentore je sechzig MinutenSpiegelt auch die Abwehr vor dem Tor

Plus-Minus, mit Vorsicht

Der Plus-Minus-Wert zählt, wie oft ein Spieler bei einem Tor der eigenen Mannschaft auf dem Eis stand, abzüglich der Gegentore, jeweils bei gleicher Feldstärke. Die Idee dahinter ist gut, die Praxis heikel: Wer mit dem besten Sturm spielt, sammelt Pluspunkte ohne eigenes Zutun, und ein starker Verteidiger in einer schwachen Mannschaft steht am Saisonende tief im Minus.

Sinnvoll ist der Wert deshalb nur im Vergleich innerhalb derselben Mannschaft und über eine ganze Saison. Als Einzelzahl aus dem Zusammenhang gerissen sagt er wenig.

Strafminuten lesen

Die Strafminutenliste wird gern als Härteliste gelesen und ist keine. Eine einzige große Strafe mit Spieldauer bringt mehr Minuten als zwanzig kleine Vergehen, und ein Spieler mit vielen Zweiminutenstrafen fällt gegen einen mit einem einzigen groben Foul zurück. Wer Disziplin messen will, zählt besser die Zahl der Strafen als ihre Summe in Minuten.

Für eine Mannschaft ist die interessantere Zahl ohnehin eine andere: wie viele Gegentore in Unterzahl fallen und wie oft das eigene Überzahlspiel trifft. Beide Werte sagen mehr über eine Saison aus als die Strafminuten selbst, und beide finden sich in den Ligastatistiken, die im Überblick über die Datenbanken und Statistikportale beschrieben sind.

Ein Torhüter fängt einen hohen Schuss in der Fanghand, der Oberkörper dreht sich der Scheibe entgegen.
Jeder gehaltene Schuss zählt gleich viel, auch der ungefährliche.
Auf der Anzeigetafel läuft eine Strafzeit rückwärts, daneben steht die verbleibende Zeit des Drittels.
Zwei Minuten in Ziffern, und der ganze Rhythmus des Spiels ändert sich.

Die Torhüterwertung

Für Torhüter zählen zwei Werte. Die Fangquote gibt an, welcher Anteil aller Torschüsse gehalten wurde. Sie ist die fairere der beiden Zahlen, weil sie unabhängig davon ist, wie oft der Gegner überhaupt zum Schuss kommt. Ihre Schwäche: sie behandelt einen abgefälschten Schuss aus fünf Metern wie einen ungefährlichen von der blauen Linie.

Der Gegentorschnitt rechnet die Gegentore auf sechzig Minuten Einsatzzeit hoch. Er ist leichter zu verstehen und stärker von der Abwehr abhängig: ein Torhüter hinter einer disziplinierten Mannschaft sieht besser aus, auch wenn er dieselbe Leistung bringt. Beide Werte zusammen ergeben ein brauchbares Bild, einzeln keines.

Was keine Zahl misst

Kein verbreiteter Wert erfasst, was eine Mannschaft ohne Puck tut: Laufwege sperren, Schüsse blocken, den Gegner an der Bande festhalten. Genau das entscheidet aber viele Partien. Wer eine Saison beschreiben will, braucht deshalb neben den Zahlen die Beobachtung, und die Verbindung zwischen beidem entsteht erst beim Schreiben. Wie das geht, steht im Text über den Spielbericht.

Zahlen im Zusammenhang

Wie aus den Einzelwerten am Saisonende eine Rangfolge wird, erklärt der Text über das Lesen einer Eishockeytabelle.

Und wer wissen will, warum ein Center systematisch mehr Scorerpunkte sammelt als ein Flügel, findet die Antwort bei den Positionen im Eishockey.